[2002] "Traumapädagogik"
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[2002] „Traumapädagogik“

Zusammengestellt von Birgit Uhde-Vogt und Volker Vogt, © 2002

Mitschrift aus einer Fortbildung zum „Umgang mit traumatisierten Kindern in der Jugendhilfe“ mit J. Uttendörfer und Dr. L.-U. Besser

Idee: Grundregeln aufstellen:

  • Es gibt keine körperliche Gewalt gegenüber anderen
  • Es wird keine Gewalt angedroht
  • Es wird auch nicht verbal gewalttätig geredetGewaltfreie Zone schaffen!!!
  • Verbale Gewalt: Entwertung, Entwürdigung, Drohungen, Erpressung
  • Körperliche Gewalt: wehtun – verletzen; schlagen, treten, boxen, Waffen, quälen
  • einzelne oder organisierte Qual
  • körperlich sexuelle Gewalt: anfassen ohne Erlaubnis (Sexualorgane etc.), Penetration u.a.

Der sichere innere Ort braucht einen sicheren äußeren Ort!

Schutz für Opfer:

  • Wahrnehmung schulen
  • Wehrhaftigkeit
  • Aufmuntern es zu sagen
  • Benennung

Regeln – plakativ machen! Regeln messen sich an ihrer Kontrollbarkeit! Kontrolle durch alle Beteiligten!

Konsequenzen deutlich und klar machen!

Psychohygiene:

  • Blockieren von destruktiven Geschehnissen im Hier und Jetzt
  • Freie Zeit organisieren (Time-Management)
  • Aktive bewusste Gestaltung (Plan)
  • Schlaf (7 bis 9 Std.)
  • Ernährung / Genussstoffe; Gifte verändern (Genuß ja; aus Frust nein)
  • Regelmäßige körperliche Aktivitäten (Laufen, Radfahren, Fitneß, Ballspiele, Tanzen, Sauna, Massage, Körperpflege, Chi-Gong)

Sensorisch positive Reize:

  • Duft – Aromatherapie
  • Luft – Temperatur
  • Akustisch – Musik / Naturgeräusche (laut / leise)
  • Taktil – s. Körper
  • Partnerschaft – Respekt, Liebe, Erotik, Sexualität, Spiele, Zärtlichkeit, Wertschätzung
  • Bewegung – s. Körper
  • Kognitiv – Literatur, Filme, Gespräche, Humor
  • Erlebnisse (komplex) – Urlaub, Kultur

Gestaltung des äußeren Ortes:

  • Ordnung
  • Sauberkeit
  • Klarheit
  • Intaktheit von Möbiliar und Material
  • Keine Zerstörungs-Athmosphäre

Verhaltensebene:

  • Unterbrechen, beenden von destruktiven Situationen (Interaktion)
  • Selbstschädigendes Verhalten finden und verändern
  • Das Kümmern um die eigene Befindlichkeit
  • Was tue ich bewusst, was mir gut tut
  • Was weiß ich, was mir nicht gut tut
  • Was bekomme ich, was mir gut tut
  • Was weiß ich, was mir gut tut, tue es aber nicht
  • Gibt es Menschen in meiner Nähe, die mir nicht gut tun
  • Was und wie tut dieser Mensch etwas, das mir nicht gut tut

Traumapädagogik – Konsequenzen:

  • Hinter jeder (wenn auch für uns sinnlosen) Aktion der Kinder steht ein Sinn (hier ist die Nähe zur TT und KHS zu sehen; Anm. Volker Vogt). Fragen sollte man nach dem Sinn, den es dem Kind geben könnte.
  • Diese Frage kann mir selbst eine gewisse Distanz bringen
  • Fragen stellen, neugierig bleiben, allerdings nicht nach dem WARUM fragen. Aber auch darauf achten, wann die Kinder nicht reden wollen.
  • Sich selbst die Erlaubnis geben, auf Distanz zu gehen
  • Eigene Erwartungen zurückschrauben (Ungeduld)
  • Sich und dem Kind Zeit lassen
  • Um zu überprüfen, dass gedachte Spekulationen / Vermutungen stimmen oder nicht stimmen, müssen Fragen gestellt werden, um sie zu überprüfen und zu korrigieren
  • Intuition: Spekulation, Vermutung, Phantasie
  • Wohlwollende Haltung gegenüber dem Kind
  • Appelle minimieren
  • Nur im Kind liegen die Ressourcen für die Heilung
  • Wissen darüber das Sprache oftmals zu kurz greift
  • Herausfinden, was die Trigger für Flashbacks sind und versuchen, die Kinder davor zu schützen, bzw. Hilfestellungen zu geben mit dem Ausbruch besser klarzukommen

Welche pädagogischen Strategien erleichtern den Zugang zu den Traumaerinnerungen eines Kindes? (Quelle: Skript von Jochen Uttendörfer)

  1. Appelle an die Vernunft des Kindes minimieren – Einladung zur Selbstenttäuschung
  2. Wissen darüber, dass verbale Sprache zu kurz greift – 20% verbal, 80% nonverbal
  3. Mehr Sicherheit und Selbsterfahrung über die Wirkweisen der eigenen nonverbalen Kommunikationsstile auf Kinder
  4. Sprache wörtlich nehmen („ich bin verrückt!“; „ich bring mich um!“ usw.) – welcher Prozeß dahinter eröffnet sich hier als Einstieg zu Traumaerinnerungen?
  5. Wissen um das Funktionieren des Traumageschehens ermöglicht notwendige Distanz (Psychohygiene)
  6. Sich selbst eine Erlaubnis geben, auf Distanz gehen zu dürfen
  7. Fragen nach dem Sinn von Verhaltensstörungen schaffen Distanz
  8. Meine Vermutungen / Spekulationen / Phantasien als meine Ressourcen möglicher Wahrheiten akzeptieren
  9. Meine Vermutungen/ Spekulationen / Phantasien durch Fragen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen
  10. Fragen, Fragen, Fragen…. – als Chance die Verantwortung über das, was ist, was gesagt werden will… beim Kind zu lassen
  11. Alles respektieren, was Kinder sagen / nicht sagen wollen
  12. Sich selbst in Geduld üben, Zeit lassen – die Kinder bestimmen das Tempo der Entwicklung
  13. Eigene Erwartungen zurückschrauben
  14. Dem Kinde vertrauen, das es selbst über alle Ressourcen der Heilung verfügt – das setzt voraus, dass wir selbst glauben, über alle Ressourcen für gute Entwicklung zu verfügen; gleichzeitig schützt uns eine solche Haltung davor unter dem Druck von Allmachtsphantasien immer wissen zu müssen, was gut für ein Kind ist
  15. Schutz vor erneuter Traumatisierung
  16. Detektivarbeit leisten, um Trigger aufzuspüren und zu identifizieren
  17. „Lügen“-Geschichten (narrative Erfindungen) erkennen lernen und als Eingangstore zu Traumaerinnerungen nutzen
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